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Wir sind am Nordkap!

3.997 Kilometer, acht Länder, 13 Tage – und jetzt sind wir da! Die Weltkugel, die den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes markiert, leuchtet nur ein paar Meter von uns entfernt. Dahinter erstrahlt der Himmel grün. Wir sind am Nordkap und von Nordlichtern empfangen worden! Besser hätten wir es uns auch nicht erträumen können.




Eigentlich haben wir gar nicht damit gerechnet, dass wir unser Ziel noch heute erreichen werden. So viel haben wir in den letzten Tagen über die letzten Kilometer der Strecke gelesen: Nur mit Konvoi befahrbar, immer wieder gesperrt, eine gefährliche Straße. Nichts davon hat sich in unserem Fall bewahrheitet.


Der letzte Tag auf unserer Fahrt zum Nordkap beginnt heute ein Stückchen nördlich von Alta. Wir haben die Nacht auf einem Campingplatz verbracht, um unser Auto noch einmal zu entleeren, mit Frischwasser aufzufüllen und für die nächsten Nächte zu rüsten. Insgeheim haben wir wohl ein bisschen gehofft, dass wir am Nordkap übernachten können.


Eine frostige Landschaft wie im Hochgebirge


Die letzten rund 200 Kilometer führen uns zunächst mitten durch das norwegische Fjell. Bis zu 8% Steigung über die nächsten 20 Kilometer lesen wir kurz nach unserer Abfahrt am Straßenrand und überlegen kurz, ob wir die Schneeketten am dafür vorgesehenen Platz tatsächlich anlegen sollen. Wir entscheiden uns dagegen und sind kurze Zeit später froh darüber: Die Straßen sind wieder einmal perfekt geräumt.


Die Landschaft, die uns heute umgibt, ist besonders eindrucksvoll. Auf gerade einmal 200 bis 300 Metern Seehöhe wirkt es, als wäre man in hochalpinem Gelände unterwegs. Immer wieder bleiben wir stehen, um Fotos zu machen und können uns an der frostigen Gegend kaum sattsehen. Nur Nico ist nicht ganz so zufrieden: Solange das Auto in Bewegung ist schläft er stets seelig in seinem Sitz. Aber wehe wir bleiben stehen…





Am Meer entlang und unten durch


Nach fast 100 Kilometern, vielen Fotos und ein paar Pausen für Nico erreichen wir schließlich das Meer. Und wieder hat sich die Gegend um uns herum völlig verändert: Wir fahren an schwarzen Stränden und bunten Häusern vorbei, immer die Küste entlang nach Norden. Ein besonders spannender Teil der Fahrt steht uns noch bevor: Wir müssen unter dem Meer durch.


Das Nordkap ist zwar der nördlichste Punkt Europas, der auf Straßen erreichbar ist, liegt jedoch auf einer Insel. Um hierher zu kommen, muss man den fast sieben Kilometer langen Nordkaptunnel passieren, der an seiner tiefsten Stelle 212 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Auf der Insel Mageroya angekommen ist es jetzt nicht mehr weit zum Nordkap.



Im Konvoi aufs Nordkap?


Auf offiziellen Tourismusseiten wird stets betont, dass die letzten 12 Kilometer zum Nordkap im Winter nur im Konvoi befahren werden dürfen. Aus Sicherheitsgründen fahren dann vorne und hinten Schneepflüge; wer nicht adäquat ausgestattet ist, darf nicht mit – so haben wir es gelesen. Und: Jedes Fahrzeug braucht Taschenlampen, Schaufel und Abschleppseil.


Kurz vor unserem Ziel kommen wir deshalb kurz ins Schwitzen: Wir sind perfekt ausgerüstet, aber das Abschleppseil fehlt. Dass wir im Endeffekt nichts von alldem brauchen werden und auch nicht im Konvoi fahren werden, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Weil wir nicht riskieren wollen, dass wir so kurz vor unserem Ziel noch gestoppt werden, besorgen wir uns vielmehr noch schnell ein Seil in Honningsvåg.





Honningsvåg ist der letzte größere Ort vor dem Nordkap. Eigentlich hatten wir gehofft, hier auch noch ein paar Souvenirs kaufen zu können, doch die Straßen und Geschäfte sind bei unserem Besuch wie ausgestorben. Immerhin finden wir nicht nur ein Seil, sondern auch ein offenes Lokal, in dem wir uns hervorragenden Lachs schmecken lassen.

 

Kurz vor 18.00 Uhr beschließen wir dann in Richtung Konvoi-Parkplatz zu fahren. Um 19.30 Uhr soll es noch einmal einen „Aurora-Konvoi“ geben, dem wir uns anschließen wollen – auch wenn die Chancen auf Nordlichter heute schlecht stehen. Als wir am besagten Ort ankommen ist der Schranken allerdings offen und die Straße Richtung Nordkap scheint frei befahrbar.


Die letzten Kilometer


Weil wir uns nach all den Berichten, die wir gelesen haben, nicht ganz sicher sind, rufen wir bei der Verkehrshotline an, deren Nummer wir auf einem Straßenschild entdecken. Die Straße ist frei, wir brauchen auf keinen Konvoi warten, versichert uns die Dame am Telefon. Na dann los!


Die ersten Kilometer geht es gut dahin. Die Straße ist breit und gut geräumt. In der Ferne sehen wir das grelle Licht von Schneefräsen, denen wir uns langsam nähern. Weil wir uns noch einmal versichern wollen, dass wir weiter dürfen, halten wir kurz an. Ein Fehler! Auf der hier schneebedeckten steilen Straße kommen wir ohne Schneeketten nicht mehr weg. Noch dazu ist jetzt auch wieder Nico aufgewacht...



Gott sei Dank ist Claudio geübt im Kettenanlegen und so geht’s nach wenigen Minuten auch schon wieder weiter. Noch ein paar Kurven, dann geht es gerade dahin. Der Wind weht zwar den Schnee von einer Seite der Straße zur anderen, doch schwierige Straßenbedingungen haben wir uns anders vorgestellt. Eigentlich brauchen wir die Schneeketten hier schon wieder nicht mehr.


Über Nacht am Nordkap


Als wir schließlich Lichter am Horizont sehen, wissen wir: Wir haben es tatsächlich geschafft! Und: Wir sind nicht die einzigen. Zwölf Camper sind es, die gemeinsam mit uns die Nacht heute hier am Parkplatz unserer Träume verbringen. Jetzt lauschen wir dem Wind, werfen in der Hoffnung, dass die Nordlichter noch stärker werden, immer wieder einen Blick aus dem Fenster und sind einfach nur glücklich, da zu sein.


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