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Durch das Reich des Moschusochsen

Über 400 Kilometer legen wir heute auf unserer Strecke von Trondheim bis nach Kolbu in der Nähe von Oslo zurück. Der Weg ist dabei wieder einmal etwas Besonderes, denn in diesem Teil Norwegens führt die E6 - DIE Hauptverkehrsroute in Skandinavien - direkt durch einen Nationalpark. Zwischen Trondheim und Lillehammer fährt man durch die Gebirgslandschaft des Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalparks, der vor allem für seine Moschusochsen bekannt ist. Eines müssen wir an dieser Stelle allerdings gleich vorweg nehmen: Gesehen haben wir sie leider nicht. 😕

 

Etwa 2,5 Stunden von Trondheim entfernt und nicht weit weg von der E6 soll es einen Aussichtspunkt geben, lesen wir in der Früh und beschließen, diesen als erstes Ziel anzusteuern. Bevor wir dort hin kommen müssen wir aber erstmal raus aus der Großstadt. Nach 40 Kilometern lassen wir den vielen Verkehr und die gesalzenen Straßen endlich hinter uns und haben vor uns wieder jede Menge Schnee.


Heute führt der Weg durch den Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark

Schon bald geht es wieder einmal durchs Fjell, das hier wohl einige Wintersportler anzieht. Immer öfter sehen wir Skitourengeher oder Schneeschuhwanderer am Straßenrand, die die unendliche Weite des Fjells vor sich haben. Leider ist der geplante Aussichtspunkt nicht ganz so einfach zu erreichen, wie wir das gedacht haben. Vom angesteuerten Parkplatz aus wäre es hin und retour eine etwa 1,5 stündige Wanderung, die wir mit Baby bei -11 Grad dann doch nicht auf uns nehmen.


Moschusochsen, ein 2.000er und Granaten

 

Hätten wir den Aussichtspunkt erreicht, dann hätten wir von dort auf den Snøhetta geblickt – mit 2.286 Meter der höchste Berg in der Gegend. Vielleicht hätten wir dann auch tatsächlich Moschusochsen gesehen - wobei wir uns ohnehin nicht ganz sicher sind, ob wir denen so nahe hätten kommen wollen. Sicherheitshalber sollte man sich mindestens 200 Meter von ihnen entfernt aufhalten, lesen wir auf einem Hinweisschild. Die bis zu 450 kg schweren Tiere können nämlich bis zu 60 km/h schnell laufen. Und laut Wikipedia dürften sie auch nicht immer ganz so friedlich sein.

 

Am Rande unseres Parkplatzes entdecken wir übrigens noch ein Warnschild. Bevor hier ein Nationalpark entstanden ist, war auf dem Gebiet ein Übungsplatz des Norwegischen Heeres, der renaturiert wurde. Trotz Säuberung könnte es jedoch sein, dass man hier noch auf Granaten und Ähnliches trifft. Diese sollte man – logischerweise – nicht berühren.


 

Nach dem Nationalpark geht es für uns zügig weiter in Richtung Lillehammer. Fun Fact: Genau heute vor 30 Jahren haben hier die Olympischen Spiele begonnen. Auch wenn es sogar ein Olympisches Museum gäbe, führt unser Weg heute an Lillehammer vorbei bis nach Kolbu – ein kleines Dorf, das etwa auf halbem Weg zwischen Lillehammer und Oslo liegt. Hier sind wir zu einem norwegischen Abendessen eingeladen.


Eine zweite Familie in Norwegen

 

Claudio hat hier in Kolbu so etwas wie eine zweite Familie. Die Geschichte, warum es diese gibt, beginnt bereits in den 50er Jahren: Nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichten diverse Hilfsorganisationen für viele Kinder aus Österreich Erholungsaufenthalte außerhalb des Landes, bei denen diese oft mehrere Monate in fremden, vom Krieg weniger betroffenen Ländern verbrachten - unter anderem in Norwegen. Über das Rote Kreuz kam Claudios Mutter damals hierher, wo sie die Sommermonate stets bei einer Familie in Kolbu verbrachte.


Schreiben an den Landesschulrat aus dem Jahr 1959

Auch wenn es keine wirkliche Verwandtschaft gibt, ist die Verbindung zu dieser Familie über Generationen hinweg bis heute bestehen geblieben. Wir sind deshalb heute herzlichst empfangen und mit typisch norwegischem Essen verwöhnt worden, für das wir ausnahmsweise sogar Fleisch essen: Kjøttkaker - norwegische Fleischbällchen mit Erdäpfeln, Gemüse und Preiselbeeren (so ähnlich wie die Speise, die man vom Ikea kennt, nur norwegisch 😉).


Wer übrigens mehr über das Thema Erholungsaufenthalte nach dem Krieg wissen möchte, findet HIER einen ganz spannenden Standard-Artikel, der vor ein paar Jahren erschienen ist, wenn gleich dieser nicht von Norwegen sondern von Spanien handelt.


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